Paris 2014

Paris in 2014 – neu bearbeitet. 

Blogpost von 2014: 

Am Montag entscheidet es sich spontan. Manuel und ich können aus gesundheitlichen Gründen die Zugtickets von seiner Mutter und die Übernachtungsmöglichkeit bei ihrem Sandkastenfreund Peschä übernehmen. Ab nach Paris, judihui! Im Eiltempo packen wir unsere Sachen. Am wichtigsten ist uns natürlich die Kameraausrüstung. Im Pendelverkehr fahren wir am frühen nächsten Morgen nach Lausanne. Das hässliche, nasskalte Wetter macht uns nur noch freudiger auf die Reise. Die Fahrt im TGV geht erstaunlich schnell vorbei, obwohl der ‚train a grande vitesse’ erst ganz zum Schluss wirklich zustande kommt. Die Landschaft gibt so viel Unbekanntes und Neues zu sehen! Weite Felder, auf denen der Raps langsam zu blühen beginnt und kleine, alte Dörfer direkt neben der Bahnlinie. Ich habe definitiv zu viel zum Lesen eingepackt. Solltet ihr einmal Tickets für eine ähnliche Reise buchen, kreuzt die Priorität ‚vorwärts fahren’ an. Kurz vor der Einfahrt in Paris gehe ich auf die Toilette, welche sich am anderen Ende des Waggons befindet. Das ist nicht unbedingt die beste Idee, denn als ich wieder zurück zum Platz will stehen bereits alle Passagiere mit ihren Koffern im Durchgang. Ich darf mich also mit vielen ‚Excusez-moi, tschuldigung, pardon und sorry’ durchkämpfen. Nach dem Ausstieg wandern wir durch den Gare de Lyon. Das Wetter ist windig und kalt aber trocken. Erst am Donnerstag wird es dann etwas wärmer, bis dahin vermisste ich meine warme Jacke (oder auch nur eine Windjacke) sehr. Auf den Rat diverser Personen hin lösen Manuel und ich sofort ein Metroticket. Drei Tage freie Fahrt mit Metro, Zug und Bus für 25€. Wer sich denkt, dass sei viel: ja. Aber eine Fahrt alleine kostet 2 Euro und da muss man jedes Mal einzeln lösen. Die Metro ist echt etwas Superpraktisches. Überall gibt es Einstiegsstellen und man kommt schnell durch das doch sehr grosse Paris. Meistens sind die Wagen voll und man drückt sich rein. Jede Haltestelle im Pariser Untergrund ist geplättlet und mit grossen Plakatwänden versehen. Die Tunnels sind voll mit Graffitis. Ich finde die Metro echt beeindruckend. Wir können am Anreisetag erst um sieben Peschä treffen, deshalb beschliessen wir uns einfach mal durch die Stadt treiben zu lassen. Mit den schweren Rucksäcken ist das ziemlich anstrengend. Bis wir dann etwas zu essen finden sind wir ziemlich müde. Ich finde, essen in Paris ist schwierig. An den Hauptstrassen und bei Sehenswürdigkeiten ist alles ziemlich teuer. In den Nebengassen dagegen sind die Restaurants oft leer und wirken wenig einladend. Vielleicht bin ich auch einfach kompliziert. Manuel meinte, mit mir wäre es wohl einfacher Tauben zu jagen. Naja, verhungert sind wir nicht. Am Dienstag schaffen wir es tatsächlich, unbewusst keine einzige Sehenswürdigkeit anzutreffen. Oder wir merkten es einfach nicht. Paris ist nämlich voll davon. Irgendwie enttäuschte mich der erste Eindruck. Laut, wuselig und touristisch. In der Hoffnung, im ‚Jardin de Louxembourg’ etwas Ruhe zu finden suchen wir diesen auf. Er ist erstaunlich gross und ziemlich gut besucht. Ist also nichts mit der Ruhe. Viele Jogger, mehr Touristen und eine Menge Statuen.
Ich bin froh als wir bei Peter ankommen. Am Abend planen wir die Route für Mittwoch. Eiffelturm nach Sonnenaufgang, das Louvre und die Ile de la Cité zum Schluss. Und auf dem Weg dorthin wollen wir uns alles andere ansehen. Früh um sieben gehen wir los. Als wir um die Ecke biegen und den Eiffelturm sehen, muss ich zugeben: er hat etwas Faszinierendes. Auch wenn man ihn schon unzählige Male auf Postkarten und anderem gesehen hat. Er ist nicht so hoch wie ich erwartet hatte, aber die architektonische Bauweise beeindruckt. Wir sehen einige Liebes-Fotoshootings, teilweise sogar im Hochzeitskleid. Noch vor der Öffnung des Turmes für Besucher steht bereits eine riesig lange Schlange an Touristen an. Manuel und ich haben vorher beschlossen, dass die Besteigung keine Option ist. Es ist uns einfach zu teuer. Wir spazieren gemächlich durch den angelegten Garten ringsum und staunen, dass selbst das bekannteste Wahrzeichen von Paris nicht verkehrsfrei bleibt. Vor dem Turm ist nämlich eine grosse, laute Strasse. Aber das ist irgendwie sowieso bei beinahe jeder Sehenswürdigkeit der Fall. Während dem Morgenessen auf einer Parkbank (französische Croissants, herrlich!) schauen wir einem chinesischen Reisecar zu. Anfahrt, Ausstieg, fünf Minuten Fotos machen von der selben Stelle aus, Einstieg, Abfahrt. Es lohnt sich sehr, früh morgens bereits die Sehenswürdigkeiten anschauen zu gehen! Dann trinken wir in einem schönen urbanen Coffeeshop Kaffee und gehen anschliessend zum Arc de Triomphe oberhalb der Champs-Elysées. Der ist echt beeindruckend, wurde aber aufgrund seiner Lage zum gigantischen Verkehrskreisel. Auch da steigen Manuel und ich nicht hoch, es hat uns einfach zu viele andere Leute. Das Schlendern der Champs-Elysée nach ist interessant, aber es vermochte nicht wirklich Eindruck zu machen. Teuer, laut, viele Menschen. Akkurat geschnittene Bäume. Naja. Der Mc Donalds hat dort eine Angestellte, die mit einem Fähnchen auf dem Weg steht und den Passanten zeigt, dass der Laden sich in einer Art Einbuchtung befindet. Was mir auch noch auffiel: Der Kleiderladen Zara hat an jeder Ecke in Paris einen Laden. Oft in prunkvollen Gebäuden. Die Läden sind gross und so häufig, dass man sich irgendwann fragt wie das überhaupt zu rentieren vermag. Irgendwann, nach ewig laufen kommt man zu einem grossen, nicht verkehrsfreien Platz wo eine Art Säule draufsteht. Ehrlich gesagt weiss ich nicht mehr genau, wie der Platz heisst. Dann geht es weiter zum Louvre, respektiv in den Garten der sich vorne dran erstreckt. Dieser wurde im 16. Jahrhundert angelegt und ist teilweise noch unverändert erhalten geblieben. Rund um den grossen Brunnen sitzen Menschen jeglicher Herkunft und Alters. Es wird gedöst, gelacht und gestritten. Überall hat es Blumen, der Garten wird gut gepflegt. Die blühenden Bäume sind toll anzuschauen! Die Wege sind kiesig, sehr lang und breit. Trotzdem hat man das Gefühl, dass es irgendwie zu viele Menschen hat. Fast alle Bänke und Stühle sind besetzt. Wir laufen deshalb quer und relativ zügig durch. Je näher wir dem Louvre kommen, desto mehr Menschen hat es auch. Der Platz vor dem Louvre ist dann wirklich ein Ameisenhaufen. Ohne Zweifel, das Louvre ist von aussen gesehen absolut mega beeindruckend. Das Gebäude ist so lang und wuchtig, man kann es kaum fassen. Übrigens, das Kurioseste sind wahrscheinlich die fest installierten Baucontainer im Burggraben vor dem Louvre(oder was das sein soll). Auch der weltbekannte Platz mit den drei geometrischen Würfeln die aus dem Boden ragen ist wirklich sehenswert. Aber dort wo du bei den Glaswürfeln runterschauen kannst siehst du nicht wirklich interessantes. Ein Helpdesk für Audiogeräte beispielsweise. Wir besuchen das Museum nicht. Mich würde es zwar brennend interessieren. Besonders die am Dienstag eröffnete Rodin-Ausstellung. Nur dafür haben wir einfach nicht genügend Zeit. Und rein, damit ich drin war bringt ja auch nichts. Wenn schon, dann will ich mich richtig darauf konzentrieren können. Nachdem wir aus dem Komplex ausgetreten sind, sind wir erst einmal geschafft. Trotzdem gehen wir weiter über einen grossen Umweg zur Notre Dame. Diese ist ganz schön, aber vermag uns nicht wirklich zu fesseln. Und schon wieder wollen uns Typen einen Eiffelturm verkaufen und ich will immer noch keinen! Drei Männer in Militäruniform und Gewehr im Anschlag patroullieren und sollen anscheinend Sicherheit demonstrieren. Ich empfinde dies aber eher als beunruhigend. Weiter geht der Mittwoch in einer Seitengasse. Wir entdecken den süssesten (im wahrsten Sinne des Wortes) Cupcakeladen. Dort verwirklicht eine junge Frau wohl ihren Lebenstraum in rosa und weiss! Am Freitagmorgen kamen wir noch einmal vorbei und konnten ihr bei der Zubereitung zuschauen. Dann irren wir wieder etwas in der Stadt herum. Ich entdecke einen Kleiderladen, denn es in der Schweiz nicht gibt – wir halten uns ziemlich lange dort drin auf. Aber um fair zu sein: Kleider angeschaut und angezogen habe ich nur kurz, nur musste man für alles eeeeewig lange warten. Als wir wieder draussen stehen ist es beinahe acht Uhr abends. Wir fahren mit der Metro zu der Wohnung und beschliessen uns etwas zu essen zu holen. Ich entscheide mich für Sushi vom Japaner, Manuel möchte ein Taschenbrot mit Falaffel. Wir werden aufgeklärt: Falaffel kennt man nicht. Das Essen ist in diesem Viertel wirklich billig. Man merkt, dass man sich eher ausserhalb des Stadtzentrums befindet. Beim Zurückgehen sind die Strassen ziemlich leer. Ansonsten ist der Verkehr ständig stark und der Stärkere der Schnellere. Ich möchte dort nicht unbedingt Fahrrad fahren. An jedem Fussgängerstreifen hat es Ampeln. Meistens ist es äusserst ratsam, sich an diese zu halten. Und wenns grün wird, schaut der Kluge auch besser noch mal gut. Es gibt nämlich immer wieder Taxifahrer, die es besonders eilig haben. Der Lärmpegel ist konstant hoch. Der Franzose drückt schneller auf die Hupe als der Durchschnittsschweizer. Und irgendwie ist das ‚in der Spur fahre’ nicht wirklich beachtet. Oder es scheint auf mich nur so.
Am Donnerstag stehen wir wiederum ziemlich früh auf. Dudu, die Katze weckt mich mit seinem Satz und meinem Schreck. Wir nehmen nach einem längeren Morgenessen die Metro zum Tour de Montparnasse. Er ist neben dem Eiffelturm das höchste Gebäude von Paris. Für elf Euro wird unser Rucksack kontrolliert und wir werden in einen Lift verfrachtet. Zu diesem Zeitpunkt trage ich den Rucksack, welcher das Zeugs von Manuel und mir beeinhaltet. Der Rucksackkontrolleur erklärt uns, dass das so nicht geht. In Frankreich trage stets der Mann! 

Als wir im 56. Stock aussteigen erwartet uns ein schrecklicher Sternen-Kosmos-Teppich. Über ein Treppenhaus geht es auf die Plattform hinauf. Wenigstens einmal die Spinnweben von der Decke hätten sie entfernen können. Auf dem Dach ist das aber alles vergessen: Die Aussicht ist toll und wir sind nebst zwei Franzosen und den Security die einzigen. Im Morgenlicht ist die Stadt leicht von einer Art Nebelschwaden umgeben. Wir sehen einen riesigen Friedhof, also wirklich riesig. Und dabei ist er nicht einmal der grösste in Paris! Die Wolkenkratzer, der Eiffelturm und die verschiedenen Strassen sind von oben beeindruckender als von unten. Etwa zwanzig Minuten später kommt die erste Reisegruppe und wir verziehen uns. Wir bekommen noch mit wie sich zwei Fensterputzer am Hochhaus abseilen. 

Nach dem Tour de Montparnasse gingen wir durch die Stadt und sahen dabei tolle kleine Läden. In einer Bagel-Sandwichbar essen wir köstlich zu Mittag und streunen dann weiter. Der Nachmittag geht mit einkaufen ziemlich schnell vorbei. Am Abend haben wir die Möglichkeit, eine Tauchlektion zu erleben. Peschä ist in einem Tauchclub und hat uns das organisiert. Es ist wirklich der ober Hammer. Nach einer Einführung (wohlgemerkt, in Französisch, aber irgendwie verstehe ich alles. Toll!) und anfänglicher Scheu ist es ein echt geniales Erlebnis. Die Stunde ist sehr schnell vorbei. Nach einem zwanzig minütigen Zurücklaufen bin ich wirklich reif für das Bett. So schnell bin ich selten eingeschlafen. 

Am Freitag gehen wir frühmorgens noch zur Sacre-Coeur. Dieser Ort hat mir von ganz Paris wohl am besten gefallen. Wir treffen eine grosse, runde Sonne an. Reinigungsleute von der Stadt sind dabei, den Platz für die Touristen bereit zu machen. Die ganze Atmosphäre ist friedlich, wunderschön und als wir die Kirche betreten wird gerade eine Predigt abgehalten. Nachdem wir wieder draussen und unten sind, gehen wir in einem Restaurant noch so richtig französisch Frühstück essen. Dann packen wir unsere Sachen und kaufen neben der Wohnung von Peter noch etwas zum Essen für im Zug. Wir sind sehr knapp dran. Die Chance besteht, dass die Metros jeweils kurz stecken bleiben. Doch dafür haben wir keine Zeit. Glücklicherweise kommen wir pünktlich in Chatêlet, der Umsteigehaltestelle an. In einem rasanten Sprinttempo rennen wir zur nächsten Metro. Diese Linie ist aber anscheinend am weitesten weg von unserer und wir sprinten etwa 3-5 Minuten durch die Untergrundgänge von Paris. Völlig geschafft steigen wir in die Metro. An diesem Punkt denke ich, dass wir unseren Zug bestimmt verpassen. Der Gare de Lyon ist gross, wir wissen nicht auf welchem Gleis der Zug fährt und ich bin mir sicher, dass ich so ein Rennen nicht noch einmal hinkriege. Durch irgendeine glückliche Fügung kommen wir nicht 4 Minuten vor Abfahrt unseres Zuges an, sondern eine Viertelstunde vorher. Keine Ahnung weshalb warum und wieso, aber das war wirklich, wirklich gut. Die Heimfahrt vergeht dann relativ schnell. Als wir in Thun aussteigen ist unser erster Gedanke: was für ein Dorf!