Ich weiss jetzt, weshalb ich fotografiere.

Dieser Blogpost hat ursprünglich begonnen mit 'drei Dinge zum erfolgreichen Shooting' und ich habe gefühlt eine Ewigkeit gebraucht ihn zu formulieren.

Damit ein Bild nicht in der Masse der fotografierten Bildern untergeht und gefühlt nie mehr auftaucht, muss es etwas Besonders haben. Beim Durchwühlen meines Archivs nach vergessen gegangenen Portfolio-tauglichen Bildern habe ich mir ein paar Gedanken zu dem Thema gemacht (die dann zu anderen Gedanken geführt haben und so weiter...) 
Meistens kommen gemachte und verarbeitete Bilder bei mir ziemlich bald auf meine Archivplatte und dort bleiben sie dann auch. Um mein Portfolio zu erweitern und den Blogeintrag zum Vorher-Nachhervergleich mit Tanja zu schreiben stöpselte ich am Wochenende eine solche Platte ein und begann mich durchzuklicken. Abgesehen davon, dass ich einen ziemlichen Berg Müll gespeichert hatte und erstmal viel löschte, stiess ich auch auf vergessen gegangene Fotos. Einige von Shootings, andere hübsche Landschaftsbilder – ein paar durchaus für Bilderrahmen tauglich. Viele der fotografierten Dinge weckten noch ein paar Erinnerungen an farbige Herbsttage oder kalte Hände im Winter. Von diesen Bildern schaute ich mir ein einige an und speicherte zwei, drei für Bildschirmhintergründe. Bei anderen fragte ich mich bloss, was ich mir da gedacht hatte und wie ich jemals stolz auf die Fotos gewesen sein konnte – aber das ist ein anderes Thema.

Und dann gab es ein paar Ordner, die ich voller Vorfreude anklickte. Da wusste ich auch noch genau, was drin ist.
Diese Bilderreihen sind meistens nicht herausstehend toll und manchmal auch ganz übel fotografiert. Aber das war mir beim Ansehen nicht wichtig, mir gefielen sie (grösstenteils). Ich schaute mir mehr als nur jeweils drei Bilder an und fing mir dann Gedanken zu machen: Was hatten die bloss, dass sie mich im Nachhinein mehr begeisterten als all die anderen Serien?
Die Bilder waren an meist ganz unterschiedlichen Orten gemacht worden und auch nicht einem ‘Genre’ der Fotografie zuordbar. Beispielsweise ein Ausflug auf die Allmend um ein paar Abendstimmungsfotos zu machen mit meinem Bruder zusammen, ein Shooting mit meiner besten Freundin, das Elton John Konzert im Hallenstadion letztes Jahr, eine Makroaufnahme mit Regenbogen im Hintergrund … Also ganz verschiedenes Zeugs.

Nach etwas Grübeln konnte ich es in Worte fassen:
Wenn beim Fotografieren alles zusammenkommt was man sich gewünscht hat: Das ist der perfekte Moment. 
Vielleicht sind diese Momente nicht für jeden verständlich oder vollkommen, aber für mich waren und sind sie es. Deshalb bleiben sie mir auch in Erinnerung, darum klicke ich mich gerne noch einmal durch und finde die Bilder nicht schlecht. Einfach weil ich mich, auch eine Zeit nach dem Fotografieren, nicht von dem wunderbaren Moment distanzieren kann.
Nicht, dass ich in anderen Momenten mir die Freude am Fotografieren gefehlt hätte! Ich habe nicht den Wunsch, nur noch solche Momente zu erleben. Diese besonderen Augeblicke würden an Bedeutung verlieren und nicht mehr aus der Masse hervorstehen.

Ende April erlebte ich einen solchen Augeblick:
Ich fotografierte Lisa inmitten von wunderschönen, weissen Blüten, Manuel assistierte mir und die letzten Sonnenstrahlen leuchteten. Alles war genau so, wie ich es mir gewünscht hatte: Wunderbare Menschen, Spass und eine Umgebung wie erhofft.


Dieser kleine Grübelausflug hat mir gezeigt, warum ich fotografiere.
Nicht wegen Geld, nicht wegen Ruhm und Ehre und auch nicht, weil ich mein tiefstes Gefühlsleben verarbeiten will. 
Ich fotografiere, weil ich Freude an der Herausforderung und Gestaltung habe und weil ich es liebe, Momente zu erleben und so festzuhalten wie ich sie sehe. Die Frage, weshalb ich fotografiere hat mich schon sehr lange beschäftigt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich sie mit diesen Überlegungen beantworten kann!

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